« La vérité sur la relation entre mon grand-père Konrad Adenauer et le Général De Gaulle »

Crédit : Maurice Cox, DGPh

Le 22 janvier 2019, Angela Merkel et Emmanuel Macron ont signé le Traité d’Aix-la-Chapelle, renforçant les liens d’amitié et de coopération entre l’Allemagne et la France, initiés 56 ans plus tôt (le 22 janvier 1963), par le Traité de l’Elysée conclu entre le Général de Gaulle et le Chancelier Konrad Adenauer.
Le 27 septembre dernier à Cologne (lors du Congrès de Villafrance), Konrad Adenauer, 74 ans, notaire à la retraite et petit-fils du Chancelier, a retracé la relation entre ces deux personnages historiques. Il a accepté de livrer son récit à Acteurs du franco-allemand. Témoignage.

Nach dem 1. Weltkrieg gehörte Köln zur britischen Besatzungszone. Gleichwohl hatte mein Großvater als Oberbürgermeister von Köln sehr viel zu tun mit den französischen Behörden, vor allen Dingen der Interalliierten Rheinland-Hochkommission in Koblenz, den Separatismus- Bestrebungen im Rheinland, dem Ruhrkampf 1923 und der Inflation. Diese Ereignisse hingen sehr stark mit der französischen Politik zusammen.

In den 20er Jahren pflegte mein Großvater als OB von Köln und Vorsitzender des Kuratoriums der Universität zu Köln gute Beziehungen zum westlichen Ausland, insbesondere zu Frankreich und dort zu Jean de Pange. Durch die 12 Jahre des Nationalsozialismus wurden diese Beziehungen unterbrochen. Meinem Großvater war nach dieser Zeit, als an ein Amt als Bundeskanzler noch gar nicht zu denken war, klar, dass Deutschland im Kreis der freien Völker des Westens dauerhaft verankert werden musste und dass der Kern dieser Bestrebungen eine Aussöhnung und Freundschaft mit Frankreich war. Das geht aus allen seinen Äußerungen aus den frühen Nachkriegsjahren hervor. Als er dann 1949 Bundeskanzler wurde und von 1951 bis 1955 gleichzeitig Außenminister war, hatte er die Gelegenheit mit seinen französischen Amtskollegen in dieser Hinsicht erfolgreich zu arbeiten. Die Vorschläge kamen von Außenminister Robert Schuman und Ministerpräsident René Pleven. Es entstanden die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl (Montan-Union) und die Europäische Verteidigungsgemeinschaft, die leider in Frankreich an Pierre Mendès-France scheiterte. Durch Vermittlung der Briten kam es dann 1954 zu den Pariser Verträgen, dadurch 1955 zur deutschen Souveränität und zur NATO-Mitgliedschaft sowie 1957 zur Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft und zu EURATOM mit den bekannten sechs Gründungsstaaten. Aus diesen Gemeinschaften entwickelte sich die heutige Europäische Union.

« Pour mon grand-père, ce fût un honneur que de dormir dans la maison familiale du Général. La glace était brisée ».

Septembre 1958, première visite à Colombey-les-deux-Églises

In den 50er Jahren waren die französischen Regierungen sehr unbeständig, sie wechselten häufig, vor allen Dingen wegen des heftigen Indochina Krieges (Dien Bien Phu). Unser Geschichtslehrer machte sich geradezu lustig über Frankreich. Dann kam 1958 wegen der Algerien-Krise Charles de Gaulle an die Macht. Mein Großvater kannte ihn persönlich natürlich nicht und hatte große Befürchtungen, dass das gerade abgeschlossene europäische Einigungswerk der Sechs von de Gaulle aufgekündigt würde. Laut der veröffentlichten Meinung hielt de Gaulle davon nichts. Darum zögerte mein Großvater auch, diesen Weltkriegsgeneral, Mitsieger über Deutschland und französischen Nationalisten in Paris zu besuchen. Er versprach sich nichts davon. So kam es dann zu seinem als privat deklarierten Besuch in Colombey-les-deux-Églises Mitte September 1958, also gerade vor 60 Jahren. Über diesen Besuch ist sehr viel geschrieben worden, bis in das letzte Detail. Es war sozusagen Liebe auf den ersten Blick (Coup de foudre). Beide Herren erkannten die jeweilige Größe des Anderen, sie waren sich aufgrund ihrer geistigen, religiösen und geschichtlichen Haltung sehr verwandt und fanden direkt eine gute Sprache und einen guten Umgang miteinander.

Es war eine Auszeichnung für meinen Großvater, dass er in de Gaulles Landhaus mit ihm unter einem Dach übernachten konnte. Damit war das Eis gebrochen, und de Gaulle wurde, praktisch in Ablösung des amerikanischen Außenministers John Foster Dulles, der beste politische Freund meines Großvaters. Es gab in der Folge zahlreiche Begegnungen und Gespräche, deren einzelne Wortprotokolle noch gar nicht insgesamt veröffentlicht sind. Bei den ersten 4-Augen-Gesprächen dolmetschte de Gaulles Leibdolmetscher Jean Meyer. Es war kein zweiter Dolmetscher aus Deutschland dabei. Später wurde dies Hermann Kusterer, der für seinen Teil Aufzeichnungen anfertigte, die an die Archive gingen. Er selbst behielt keinen Zettel zurück. Kusterer hat über diese Begegnungen außerhalb der Wortprotokolle ausführlich berichtet. Seine Tätigkeit im Hinblick auf diese beiden historischen Persönlichkeiten empfand er als Höhepunkte seines beruflichen Lebens, quasi als Hochamt. Er und andere haben immer wieder hervorgehoben, dass de Gaulle zwar nicht ein so großer Freund einer engen europäischen Integration war, aber immer von der Wichtigkeit Deutschlands ausging und sehr gerne eine engere Union zwischen diesen beiden Ländern herbeigeführt hätte (Fouchet-Pläne). Leider ist daraus, auch aufgrund des Ausscheidens meines Großvaters aus seinem Regierungsamt 1963, nichts geworden.

De Gaulle hat immer gegenüber dem Osten Widerstand geleistet und dafür gesorgt, dass die Wiedervereinigung Deutschlands als Ziel weder aufgegeben noch von der Tagesordnung gesetzt wurde. Für ihn war völlig klar, dass Deutschland als Einheit zusammengehörte.

De Gaulle sah sich wie die Jungfrau von Orléans als von höherer Warte Gesandter an und bei aller persönlichen Bescheidenheit als ein Werkzeug der Geschichte. Mein Großvater hat bezüglich seiner Person nicht so hoch gegriffen, war aber von seiner besonderen persönlichen Eignung zur Lösung der deutschen Aufgaben überzeugt. So ist sein Ausspruch aus dem Jahre 1954 überliefert: « Mein Gott, was soll aus Deutschland werden, wenn ich nicht mehr da bin! » Auch hat er so lange an seinem Amt festgehalten, um möglichst viel im Hinblick auf Frankreich und Europa noch zustande zu bringen. Er wusste, dass sein Nachfolger als Bundeskanzler, Ludwig Erhard, und Außenminister Gerhard Schröder Atlantiker waren und nicht das Bedürfnis erkannten, zu Frankreich besondere Beziehungen zu unterhalten. Sie setzten allein auf die amerikanische Karte, besonders aus Gründen der Landesverteidigung. Mein Großvater hat stets versucht unseren militärischen Schutz durch die Vereinigten Staaten und die NATO sicherzustellen und gleichzeitig die Beziehungen zu Frankreich zu verbessern.

« Pour De Gaulle, il était évident que l’Allemagne devait être unifiée »

Er musste den Spagat machen zwischen NATO und Frankreich bzw. Europäischer Union. De Gaulle war in dieser Hinsicht freier, er sah wohl die Notwendigkeit der amerikanischen Verteidigung nicht so sehr. Er fühlte sich selber mit seiner Force de Frappe und seinen Atomwaffen stark genug. Über diese Waffen verfügen wir als Deutsche bis heute nicht. De Gaulle verstand das Wort Integration anders als wir in Deutschland oder auch die angelsächsischen Länder. Er war deutsch-französischen Beziehungen die wichtigsten Beziehungen sind, die wir haben und haben können, und der entsprechende Vertrag einzigartig ist und bleibt.

« En 1964, le Général de Gaulle a personnellement veillé à ce que mon grand-père intègre l’Académie des Sciences Morales et Politiques de Paris »

De Gaulle hat zweimal das Wohnhaus meines Großvaters in Bad Honnef-Rhöndorf besucht – übrigens einer seiner Amtsvorgänger als Ministerpräsident, Antoine Pinay, zuvor einmal – und hat meinem Großvater zwei frühe, wertvolle Vasen aus Rouen geschenkt und eine perunbedingt für den Nord-Atlantik-Vertrag, aber nicht für die damit zusammenhängende Organisation und die sogenannte Integration, d. h. die Durchmischung der Streitkräfte.

Le Traité de l’Elysée sommet de la relation franco-allemande

Gipfelpunkte der deutsch-französischen Beziehungen waren dann nicht nur die einzigartigen Staatsbesuche meines Großvaters in Frankreich im Juli 1962 und de Gaulles in Deutschland im September 1962, sondern vor allen Dingen der Abschluss des deutsch-französischen Freundschaftsvertrages am 22.01.1963 in Paris (Elysée-Vertrag). Auch wenn die deutschen Atlantiker eine schäbige Präambel dem deutschen Vertragsgesetz vorausschickten, von der de Gaulle sehr enttäuscht war, hat dieser Vertrag noch zu Lebzeiten beider Politiker großartige Früchte getragen. Auch heute noch, nach über 50 Jahren, finden die regelmäßigen Konsultationen zwischen beiden Regierungen und Treffen zwischen den Mitgliedern beider Parlamente statt. So dürfen wir mit Fug und Recht behaupten, dass die  Statue Johannes des Täufers aus einer französischen Kathedrale. Die Vasen sind heute im Rhöndorfer Wohnhaus zu besichtigen. Die Johannesfigur hat unsere Familie dem Museum Schnütgen in Köln überlassen. 1964 sorgte de Gaulle dafür, dass mein Großvater in die Académie des Sciences Morales et Politiques in Paris aufgenommen wurde. Aus diesem Anlass lud er alle Kinder und Schwiegerkinder meines Großvaters zu sich in den Elysée-Palast ein. Alle Kinder bekamen ein großes Foto im Lederrahmen von ihm mit Widmung geschenkt. Nach dem Tod meines Großvaters erhielt mein Vater als ältester Sohn den 1. Band von de Gaulles Nachkriegserinnerungen mit seiner handschriftlichen Widmung. Nach seinem Tode erhielten wir auch ein Exemplar des 2. Bandes, den de Gaulle nicht mehr widmen konnte, da er bereits verstorben war. Ich war mehrere Male in Colombey und habe dort verschiedene französische Staatspräsidenten kennengelernt. Ich bin außerordentlich beeindruckt von dem großen Lothringer Kreuz und dem Mémorial Charles de Gaulles in Colombey und seinem unterirdischen Historial am Pariser Invalidendom. Diese sind gewaltige Erinnerungsbauten, wie sie in Deutschland nie möglich wären. Ich per sönlich habe de Gaulle erlebt bei seinen Besuchen in Köln im September 1962 und bei den Beisetzungsfeierlichkeiten für meinen Großvater im April 1967. Mich beeindruckt immer wieder die Schlichtheit des Grabes der Eheleute de Gaulle in Colombey. Man erfährt hier die persönliche Bescheidenheit de Gaulles und erkennt, dass Schlichtheit und Einfachheit wahre Größe ausmachen.

Un grand respect réciproque

Es wird immer wieder gefragt, wie de Gaulles Annäherung an meinen Großvater, die er ja gar nicht nötig hatte, möglich war. Dazu hat ein kluger Kopf einmal geäußert, dass de Gaulle es liebte, bewundert zu werden. Diesem Hang kam mein Großvater nolens volens entgegen. Von ihm sagte man, dass er es verstand, Sympathien gegenüber Personen zu entwickeln, die für seine Ziele nützlich waren. Letztlich verbanden beide ein großer Respekt vor der Persönlichkeit des anderen und seiner Lebensleistung, vor dem Heimatland des anderen, die gemeinsamen Grundüberzeugungen und die jeweilige vollkommene persönliche Integrität, letztlich ein historisches Vertrauen.